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Hilke Berger: Eintopf und Konsens

Urbane künstlerische Beteiligungsprojekte und die Kunst des sozialen Austauschs.

 

5 Thesen des Textes, bei denen es um die Probleme von urbanen künstlerischen Beteiligungsprojekten geht. “Eintopf und Konsens” thematisiert eben diese zentralen Problemfelder und Entwicklungslinien, die Grundlage für die Auseinandersetzung mit und Analyse von Social Urban Art (SUA) bilden.

1. Gefahr der Instrumentalisierung von SUA

Man redet oft vom “Potenzial” der Kunst bei der Problemlösung u.a. städtebaulicher Problemlösungen. Stadtplanerische Mitbestimmungsaktionen dienen aber viel zu oft nur der Beschwichtigung der Bevölkerung. Vor allem in Großstädten ist man dieser Art von Social Urban Art als “Beschwichtigungsaktion” skeptisch gegenüber. In shrinking cities kann dies jedoch ganz anders sein. Hier werden Kunstaktionen eher begrüßt. Es hängt also vom Habitus einer Region ab, inwiefern Social Urban Art bloß als Instrument wahrgenommen/genutzt oder tatsächlich von den Menschen gewollt und angenommen wird.

 

2. Gefahr der Beliebigkeit von SUA

Die Genregrenzen zwischen Kunst, Sozialem, Politik, Naturwissenschaften etc. verwischen oder fallen weg. Prozesse und Praktiken sind wichtiger als Objekte. Es gibt neue Bewertungsmaßstäbe, bei denen zum Beispiel Nutzen (siehe Problematik 1) vor Ästhetik kommen kann. Besonders in der Kritik ist der Begriff der relational/social aesthetics. Dieser beinhaltet alle Kunstpraktiken, die menschliche Beziehungen oder deren sozialen Kontext als Ausgangspunkt oder Ziel haben. Die Aufgabe von Kunst ist es demnach also “nur”, diese sozialen Momente zwischen Zuschauer^innen (und Künstler^innen) zu schaffen. Auch die Grenzen zwischen Publikum und Künstler^innen werden hierbei unscharf, was ebenfalls dem Vorwurf der Beliebigkeit dienlich ist.

 

3. Gefahr der Stigmatisierung durch SUA

Beteiligungsprojekte sind sich oft dem Vorwurf der Sozialarbeit ausgeliefert. Dadurch, dass von den “zu Beteiligenden” gesprochen wird, findet eine Hierarchisierung und Stigmatisierung statt nach dem Motto “Die müssten auch mal mit einbezogen werden”.

 

4. Gefahr der Konsensproduktion

Alle werden mit einbezogen, also sollen auch alle mitmachen, bitte! Für das Ziel des Projekts / der Aktion spielt Meinungspluralität unter Umständen keine Rolle mehr.

 

5. Überwindung der Probleme

Um den Gefahren von Social Urban Art entgegen zu wirken, müssen Zuschauer^innen souverän sein und selbst entscheiden können, ob und wie das Projekt in Zukunft angewandt/umgesetzt wird. Urbane künstlerische Beteiligungsprojekte beinhalten neben Partizipation auch Selbstreflexion. Künstler^innen sind “Erfahrungsgestalter^innen”. Sie sehen, im Unterschied zur Sozialarbeit, in einer Situation nicht zuerst das Problem, sondern das Potenzial. Die Aufgabe der Kunst ist es, soziale Momente zu initiieren, bei denen im Publikum durch den Kontakt zu anderen Menschen das eigene Verhalten reflektiert wird und neue Wege ausprobiert werden.
Social Urban Art bietet also vor allem das “Aufzeigen von Möglichkeiten”.

Im Anschluss an die Vorstellung des Textes fand eine Diskussionsrunde im Seminar statt. Besonders spannend waren die Antworten auf folgende Frage: Ist ein Abendessen mit Nachbarn aus eurer Straße Kunst bzw. was bräuchte es, um eurer Meinung nach Kunst zu sein?

“Kunst ist eine Frage der Wahrnehmung. Wird es als bloßes Abendessen wahrgenommen oder als Kunstaktion, um die Nachbarn näher zusammen zu bringen?”
“Kreativität ist wichtig.”
“Es braucht ein irritierendes Moment. Es muss etwas neues geben – etwas, das den Alltag durchbricht.”